Ein Stückchen Vertrauen - von Lotta

Vertrauen, das Wort löst in mir ein warmes Gefühl aus. Es tut gut, wenn man vertrauen kann. Es hat Loslassen im Gepäck, Kontrolle abgeben dürfen und irgendwie auch Glauben. Glauben an etwas, das hält, stützt und trägt. Vertrauen ist absolut keine Selbstverständlichkeit - manche Menschen bringen davon mehr mit als andere. Es ist ein Geschenk und wir können es lernen.
Ich begleite seit 7 Jahren einen kleinen Jungen mit Behinderung, der in Hamburg in einem Kinderheim lebt. Ich wohne 300 km entfernt, besuche ihn ca. jedes 2. Wochenende und hole ihn in den Ferien oft zu uns nach Hause. Er ist ein wahrer Schatz, für
mich und meine Familie. Kennengelernt habe ich den Kleinen mit 10 Monaten in einer Klinik in meiner Heimatstadt. Die Eltern hatten gerade entschieden, ihn nicht zu Hause betreuen zu können, und machten sich auf die Suche nach einer entsprechenden Einrichtung. Es war wohl sein Lachen, das eine Herzens-Verbindung wachsen ließ. Ich sah es immer öfter, je mehr Besuch, Körperkontakt, Wärme und Zusammensein er in der sterilen Umgebung einer Krankenhausstation von mir genießen durfte.
Ein Stückchen Vertrauen.
In den ersten Jahren meiner Begleitung in HH konnte ich sehr schwer loslassen, wenn ich nach einem Wochenende wieder zurück nach Hause fuhr. Ich hatte das Bedürfnis zu kontrollieren, Vorgaben zu machen, zu wissen, wie man in der Einrichtung mit ihm
umgeht; ich besorgte Hilfsmittel, die meist doch nicht genutzt wurden und machte Vorschläge, die scheinbar nicht wirklich interessierten.
Mittlerweile habe ich gelernt zu vertrauen, das hilft mir sehr und macht mich leichter. Ich vertraue nun in die eigene Kraft des kleinen Großen, vertraue auf den Weg, der vor ihm und mir liegt, vertraue auf einen (zwei, drei...) Engel, der ihn begleitet und auf den Sinn, den alles macht, vom ersten Kennenlernen bis heute.
Mein Antrieb ist schlichtweg Liebe. Das ist das was mich leitet. Liebe zu einem Kind, das heute, und wahrscheinlich schon lang vom Himmel geplant, zu meinem Leben gehört. Ich muss nicht alles verstehen. Auch er vertraut. Ich habe viel von ihm gelernt.

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